Innovationsforschung-alt


 

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Wieso verändert sich ein System oder eine Organisation? Die Innovationsforschung untersucht diese Frage in teil sehr unterschiedlichen Feldern - Schule, Unternehmen, Produktentwicklung, Kommunikationswesen und dergleichen. Es geht gleichsam darum, der Biographie einer Innovation von der Quelle bis zur Mündung nachzuforschen. Entscheidend ist dabei, die Umwege zu untersuchen und Hindernisse unterwegs. Wir wissen aus zahlreichen Untersuchungen. dass Innovationen nicht linear sind und unerwartete Tubulenzen in ihrem direkten und weiteren Umfeld auslösen können.

Diese Phänomene näher zu untersuchen ist eine Hauptrichtung moderner Innovationsforschung, aber auch die Evaluierung der Tragfähigkeit und Wirksamkeit. Dazu sei auf eine sehr informative, praktisch nützliche Website des Unterrichtsministeriums Wien verwiesen. Sie finden darin Evaluationsinstrumente und wichtige praktische Anregungen, die aus der Praxis für die Praxis gedacht sind: http://www.qis.at. - Was wir am Lehrstuhl und in der davor liegenden Zeit untersucht haben, ist im Folgenden in Schwerpunkten aufgelistet:

  • Ende der siebziger Jahre haben wir im Bildungsbereich eine erste empirisch-systematische Untersuchung von 42 Schul- und Modellversuchen in der Schweiz, in Österrreich und in der Bundesrepublik Deutschland abgeschlossen und veröffentlicht (Hameyer 1978). Quantitative und qualitative Methoden sind darin kombiniert eingesetzt (Fragebogen, Interview, Dokumentenanalyse). Im Zentrum stehen Konflikte im Innovationsprozess und darauf bezogene Lösungsmuster. Die Auswertung richtet sich nach einem konfliktanalytischen Modell (Coser, Dahrendorf und Elias).

  • Ein Handlungsrahmen zur Planung pädagogischer Innovationen mit Empfehlungsteil für Bildungsplaner erschien 1982 (Hameyer 1983, 2. Auflage, IPN-Publikation, s. Veröffentlichungen). Seitdem arbeiten wir auch an damit verbundenen Fragen der Nutzung von Forschungswissen in der pädagogischen Praxis (s. Hameyer 1994, 2000, Hameyer & Strittmatter 2001 sowie Studien zum Wissensmanagement).

  • Besonders in diesem Projekt, aber auch in anderen internationalen Kontexten der Zusammenarbeit und Forschung, bietet sich seitdem die Gelegenheit zur komparativen Analyse von "Biographien" pädagogischer Prozesse in Bildungsinstitutionen. Zahlreiche Schulen - darunter Modellversuche in den Niederlanden und den USA - werden einbezogen, speziell während einiger Forschungsaufenthalte in den USA seit 1982 und vorher im Rahmen einer 7-monatigen Forschungstätigkeit als Mitglied des Center of Educational Research and Innovation CERI/OECD in Paris [1978].

  • Im Zeitraum bis 1988 entstehen Untersuchungen zur Schulentwicklung im internationalen Vergleich. Das oben erwähnte OECD-Projekt verstärkt diese Richtung, vor allem in wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit Prof. Dr. M. B. Miles (New York), Prof. Dr. M. Ekholm (Karlstad und Stockholm, Schweden), Prof. Dr. K. Seashore-Louis (damals Minnesota, USA), Prof. Dr. R. van den Berg ('s-Hertogenbosch, Niederlande, jetzt Nijmegen), Prof. Dr. R. Vandenberghe (Leuven, Belgien), Dr. W. van Velzen (Den Haag, Niederlande), Prof. Dr. Michael Fullan (Toronto) und Dr. S. Loucks-Horsley (Andover, USA).

  • Auf dieser Basis planen wir Ende der achziger Jahre eine vergleichende internationale Studie über die Einführung gelenkt-entdeckender Lern- und Arbeitsformen im Unterricht: IMPACT - Implementing Activity-Based Learning in Elementary Science. Projektmitglieder sind Forscher aus den Niederlanden (Prof. Dr. Jan van den Akker und Mitarbeiter, Enschede), aus Schweden (Prof. Dr. Mats Ekholm), aus den USA (Prof. Dr. R. Anderson, ehemals Präsident von NARST - National Association for Research on Science Teaching; 4 Mitarbeiter amerikanischer Universitäten). Die Ergebnisse der Erhebung erscheinen 1995 bei SUNY, New York (Hameyer, Akker, Anderson & Ekholm 1995). Einzelresultate sind in Aufsätzen und englischsprachigen Buchbeiträgen zugänglich (z. B. Ekholm & Hameyer 2000 und Hameyer 2002).

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Spätere Theoriearbeiten und Forschungsstudien befassen sich mit Schulentwicklungsprozessen als einer Variante schulischer Innovation. In diesen Zeitraum fallen u. a. folgende Untersuchungen, Fallstudien und Beiträge:

  • Fallstudien zum Lernen mit dem Computer im Rahmen des Modellversuchs COMPASS, Schleswig-Holstein (Mitte der achziger Jahre, mehre Publikationen);

  • Beiträge zur Umsetzung gelenkt-entdeckenden Lernens in Grund- und Sonderschulen im Rahmen von AKTIF - Alle Können Teilhaben an Ideen und Fertigkeiten (s. Hameyer, Dudek, Friis & Strenge 1986 ff.);

  • Einführung flexibler Eingangsphasen an Grundschulen in Schleswig-Holstein (s. Albers, Hameyer & Schusdziarra 1997 und Albers, Hameyer & Schusdziarra 1999);

  • wissenschaftliche Beratung von QUISS in Schleswig-Holstein. QUISS ist ein bundesweiter BLK-Modellversuch zur Erforschung und Qualitätsentwicklung von Selbstwirksamkeit in Schule und Unterricht (seit 2000);

  • Fallstudien und Konzeptstudien zur Schulprogrammentwicklung und -implementation in Schleswig-Holstein und anderen Ländern (s. Hameyer 1998; Hameyer, Fleischer-Bickmann & Reimers 2000; Schwerpunktedition zum Schulprogramm, Journal für Schulentwicklung, Hameyer & Schratz 1998);

  • empirische Erhebung von Schulentwicklungsprofilen und Schulprogrammarbeiten an allen Schulen in Bremen und Bremerhaven (Gemeinschaftsprojekt, Prof. Dr. Rosenbusch, Prof. Dr. Schumm-Garling, Prof. Dr. Hameyer, noch nicht abgeschlossen);

  • vergleichende empirische Netzwerkanalyse (Schulnetzwerk SINET in Schleswig-Holstein und das Schulnetzwerk der Stiftung Bertelsmann, s. Czerwanski, Hameyer & Rolff 2002);

  • Untersuchung schwedischer Schulen unter den Blickpunkten Lernumgebung und Lernangebot, Teamarbeit und Feedback, Selbstorganisa-tion und Schulleitungstätigkeit (in Vorbereitung, 2003);

  • Beitrag zum Forschungsstand über schulische Organisationsentwicklung in europäischen Ländern (in Vorbereitung, 2003, Beitrag zu einem schwedischen Forschungsband).


Veröffentlichungen am Lehrstuhl

  • Albers, S., Hameyer, U. & Schusdziarra, G. (Eds.). (1997). Flexible Eingangsphase in der Grundschule - 6 Porträts aus der Praxis. Band I. Kiel: Körner.
  • Albers, S., Hameyer, U. & Schusdziarra, G. (Eds.) .(1999). Flexible Eingangsphase in der Grundschule - 6 Porträts aus der Praxis. Band II. Kiel: Körner.
  • Czerwanski, A., Hameyer, U. & Rolff, H. G. (2002). Schulentwicklung im Netzwerk. Ergebnisse einer empirischen Nutzenanalyse von zwei Schulnetzwerken. Rolff, H.G. u.a. (Eds.), Jahrbuch für Schulentwicklung (pp. 99-130). München: Juventa.
  • Ekholm, M. & Hameyer, U. (2000). Wie können wir unsere Schulentwicklung tragfähig machen? Grundschule 32(6), pp. 29-33.
  • Hameyer, U. (1978). Innovationsprozesse. Analysemodell und Fallstudien zum sozialen Konflikt in der Curriculumrevision. Weinheim: Beltz.
  • Hameyer, U. (1987, second edition). Vier Gesichtspunkte zur Förde­rung von Innovationsprozessen im Bildungssektor. IPN-Kurzbericht Nr. 14 [1983]. Kiel: Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften.
  • Hameyer, U. (1998). Schulprogramm. Stationen seiner Entwicklung und Evaluation. IMPULSE-Reihe Band 1. Kiel: Körner.
  • Hameyer, U. (2000). Wissensmanagement im Netz – was Innovationszentren leisten können. Journal für Schulentwicklung 4(3), pp. 57-67.
  • Hameyer, U. (2002). Behind the secret of success – How to support and sustain school improvement in the information society. In Pantzar, E. (Ed.), Perspectives on the age of the information society (pp. 11 – 27). Tampere: Tampere University Press.
  • Hameyer, U., Aregger, K. & Frey, K. (Eds.). (1976). Be­dingungen und Modelle der Curriculuminnovation. Weinheim: Beltz.
  • Hameyer, U., Dudek, H., Friis, H. & Strenge, B. (1992, second edition). Naturwissenschaften AKTIF (Alle Können Teilhaben an Ideen und Fertigkeiten). Lernangebot Sachunterricht und naturwissenschaftliche Fächer 3. bis 7. Klasse. [1986] Kiel: Schmidt & Klaunig.
  • Hameyer, U. & Schratz, M. (1998). Schulprogramme – Wegweiser zur Gestaltung von Schule. In Altrichter,
  • H., Schley, W. & Schratz, M. (Eds.), Handbuch der Schulentwicklung (pp. 86-110). Innsbruck: Österreichischer StudienVerlag.
  • Hameyer, U., Fleischer-Bickmann, W. & Reimers, H. (Eds.). (2000). Schulprogramme. Porträts ihrer Entwicklung. Kiel: Körner.
  • Hameyer, U. & Strittmatter, A. (2001). Edition des Themenschwerpunkts Wissensmanagement. Journal für Schulentwicklung 5(1).