Teacher Knowledge Experiment (T-Knox): Bedingungen der Entwicklung fachdidaktischen Wissens

 

Gefördert von der DFG im Schwerpunktprogramm "Kompetenzmodelle" (KL 2355/1-1)

Laufzeit: April 2012 – März 2014

Ausgangslage und Zielsetzung

Das professionelle Wissen von Lehrkräften wird für gewöhnlich in fachliches, pädagogisches und fachdidaktisches Wissen unterteilt. Fachdidaktisches Wissen umfasst dabei jenes Wissen, welches Lehrkräfte benötigen, um Schülerinnen und Schülern fachliche Inhalte zugänglich zu machen. Die Bedeutung dieses Wissens für die Unterrichtsqualität und den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern wurde empirisch bereits mehrfach nachgewiesen. Die Befundlage zur Frage, wie angehende Lehrkräfte fachdidaktisches Wissen entwickeln, ist allerdings spärlich. In einer experimentellen Studie untersuchten wir, welche Rolle verfügbares Fachwissen und verfügbares pädagogisches Wissen für die Entwicklung fachdidaktischen Wissens spielen. Drei Annahmen wurden geprüft: (a) Fachwissen und pädagogisches Wissen verschmelzen zu fachdidaktischem Wissen („Amalgam-Hypothese“), (b) fachdidaktisches Wissen entsteht „en passant“ aus Fachwissen („Mitnahme-Hypothese“) und (c) Fachwissen unterstützt die Nutzung von Lerngelegenheiten für fachdidaktisches Wissen („Moderator-Hypothese“).

Methode

Die teilnehmenden 100 Lehramtsstudierenden aus Berlin und Brandenburg wurden zufällig einem von fünf Kursen zugeteilt. Die Kurse bestanden aus je zwei Blöcken á vier Stunden. Die „Amalgam-Bedingung“ umfasste einen Block zum Fachwissen und einen Block zum pädagogischen Wissen, die „Mitnahme-Bedingung“ zwei Blöcke zum Fachwissen und die „Moderator-Bedingung“ einen Block zum Fachwissen und einen Block zum fachdidaktischen Wissen. Darüber hinaus erhielt eine schwache Kontrollbedingung ausschließlich Blöcke zum pädagogischen Wissen, während eine starke Kontrollbedingung nur mit Blöcken zum fachdidaktischen Wissen konfrontiert wurde.

 

Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee

 

Thematisch behandelten die fachdidaktischen Blöcke das Unterrichten von Bruchrechnung in der sechsjährigen Grundschule. Die fachlichen und pädagogischen Blöcke wiesen jeweils spezifische inhaltliche Überschneidungen mit den fachdidaktischen Blöcken auf: Die fachlichen Blöcke befassten sich mit Brüchen und Bruchrechnung ohne die Vermittlung dieser Inhalte im Schulunterricht zu thematisieren. Die pädagogischen Blöcke widmeten sich allgemein dem Thema Lernen und Lehren, d.h. sie behandelten Repräsentationsformen, Schülervorstellungen, Lernschwierigkeiten und Lehrstrategien ohne Bezug zur Mathematik herzustellen. Entsprechend gab es keine inhaltliche Überschneidung zwischen fachlichen und pädagogischen Blöcken. Die zentrale abhängige Variable, das fachdidaktische Wissen, wurde vor, zwischen und unmittelbar nach den beiden Kursblöcken sowie sechs Wochen nach Ende der Kurse erfasst.

Ergebnisse

In der schwachen Kontrollbedingung entwickelten die Studierenden praktisch kein neues fachdidaktisches Wissen. Im Gegensatz hierzu erschlossen sich die Studierenden sowohl in der „Amalgam-“ als auch in der „Mitnahme-Bedingung“ zusätzliches fachdidaktisches Wissen. Diese Zuwächse waren jedoch im Vergleich zur starken Kontrollgruppe, welche in beiden Kursblöcken explizit zum fachdidaktischen Wissen unterrichtet worden war, und auch im Vergleich zur „Moderator-Bedingung“ vergleichsweise schwach ausgeprägt. Moderatoreffekte des verfügbaren Fachwissens im Sinne einer besseren Nutzung von Lerngelegenheiten für fachdidaktisches Wissen konnten nicht nachgewiesen werden; in der starken Kontrollgruppe und in der „Mitnahme-Bedingung“ erwarben die teilnehmenden Studierenden in vergleichbarem Ausmaß fachdidaktisches Wissen.

 

Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee

Beteiligte Personen

Thilo Kleickmann, CAU Kiel, Abteilung Schulpädagogik

Aiso Heinze, IPN Kiel, Abteilung Mathematikdidaktik

Mareike Kunter, Goethe-Universität Frankfurt a.M., Pädagogische Psychologie

Andrea Bernholt, IPN Kiel, Abteilung Erziehungswissenschaft

Steffen Tröbst, CAU Kiel, Abteilung Schulpädagogik

Roland Rink, TU Braunschweig, Institut für Didaktik der Mathematik und Elementarmathematik

 

Kontakt

Dr. Steffen Tröbst (troebst@paedagogik.uni-kiel.de)